Campo dei Fiori: Die nächste Etappe

Ganze Stockwerke entstehen in wenigen Tagen: Am Zelgweg in Münsingen zeigt sich, wie moderner Holzbau Tempo, Präzision und Nachhaltigkeit verbindet. Wir begleiten den Neubau und werfen einen Blick hinter die Kulissen.

Publiziert am 23. September 2026
In fünfzehn Metern Höhe schwebt ein Holzcontainer. In seinem Inneren verbirgt sich eine Nasszelle; komplett mit eingebauten Sanitäranlagen, Elektroanschlüssen und Fliesen. Sanft wird das Bad in seiner Holzschale zwischen den bereits fertigen Holzwänden abgesetzt. Ebenso schweben die Deckenelemente aus Holz heran und werden wie ein Deckel darübergelegt – fertig ist das Stockwerk. Was sich wie ein Bauklotzspiel aus dem Kinderzimmer anhört, fühlt sich auch auf der Baustelle manchmal so an: «Es ist schon ein bisschen wie mit Lego zu bauen», schmunzelt Felix Löhrer, Bauleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei SKS Architekten.
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Auf der Baustelle am Zelgweg in Münsingen ist im letzten halben Jahr viel passiert; der sichtbarste Teil erfolgt jetzt gerade. Um die noch nicht vorhandenen Gebäude wurde ein Gerüst gebaut, damit fertige Holz- und Betonelemente per Kran zum ersten von vier Gebäuden zusammengesetzt werden können. Der grosse Vorteil: Nach Abschluss der Baumeisterarbeiten steht jedes dieser Häuser in unglaublichen acht Wochen. Denn während am Zelgweg noch die alten Gebäude mitsamt Asbestsanierung rückgebaut wurden, die Baugrube ausgehoben und das Fundament errichtet wurde, konnten in der Werkstatt bereits grosse Teile der Wände, Decken und Nasszellen als fertige Holzelemente produziert oder bestellt werden; dasselbe gilt für verschiedenen Betonelementen wie Liftschächten und Balkonböden. Vor Ort werden die Elemente dann nur noch zusammengesetzt – eben wie ein Lego-Baukasten. Das Ganze ist nicht nur schnell, sondern dank der erneuerbaren Ressource Holz auch nachhaltig. «In der Machbarkeitsstudie haben wir die Holzbauelemente der konventionellen Maurerarbeit gegenübergestellt und festgestellt, dass die Bauweise mit Holzelementen nur im einstelligen Prozentbereich teurer ist», sagt Felix. So gelang es, die Bauherrschaft mithilfe zweier starker Argumente zu überzeugen: Zeit und Nachhaltigkeit.
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Verzögerte Bauphasen

Vom Bauleitungscontainer aus sieht man den Längenberg. Die Hitze hat die Felder dort in braune Stoppeln verwandelt, als wäre August und nicht Juni. Für die Baustelle ist das sonnige Wetter aber ein Glücksfall. «Die Holzhäuser sollen bis Weihnachten stehen», sagt Benjamin Steiner, der bei SKS Architekten die Bauleitung im März von Felix übernommen hat. «Wenn es jetzt stark regnen würde, müssten die Bauarbeiten solange stillstehen, damit das Holz nicht beschädigt wird.»
Der ausgesprochen nasse und kalte vergangene Winter hat schon den Baumeisterarbeiten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gemeinsam mit dem schlechten Baugrund führte er dazu, dass sich nun zwei Bauphasen überschneiden und Baumeister und Zimmerleute gleichzeitig auf den Kran angewiesen sind. «In solchen Momenten muss man vor allem gut kommunizieren», weiss Benjamin. Dafür gibt es die wöchentlichen Bausitzungen, ausserdem ist er selbst mehrmals pro Woche vor Ort, um die verschiedenen Arbeiten zu koordinieren.

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Bauen auf engem Raum

Verdichtung ist das Wort der Stunde in Münsingen. Die alten Gebäude beherbergten dreiunddreissig Wohnungen, die Neuen auf derselben Parzelle achtundsechzig. Die neuen Gebäude dürfen nicht höher gebaut werden, aber breiter. Was für die Gemeinde ein riesiger Gewinn ist, führt auf der Baustelle manchmal zu Platzproblemen. «Der Lagerplatz ist hier enorm beschränkt», sagt Benjamin. «Pro Haus kommen insgesamt über 34 Lastwagen mit 530 fertigen Bauelementen an, das heisst, alles muss genau terminiert sein, damit jeder sein Material irgendwo zwischenlagern kann.» Sogar an eine Testfahrt mit dem Lastwagen wurde wegen der engen Quartierstrassen gedacht, bevor es mit dem Bau losging: «Stell dir vor, wenn am Tag des Baubeginns rauskommen würde: Tja, wir können die Bauelemente gar nicht liefern, weil wir mit dem Lastwagen nicht bis zur Baustelle kommen», erklärt Felix.
Für so vorausschauendes Denken braucht es natürlich einen immensen Erfahrungsschatz. «Und die richtigen Partner, die einem auf der Baustelle auch mal sagen: So wie du das gezeichnet hast, wird es nicht funktionieren», fügt Felix hinzu. «Bei so einem Projekt braucht es alle.»

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Vögel Willkommen

Übrigens: Nachhaltigkeit und Naturschutz sind hier nicht nur beim Baumaterial ein Thema. Der Rückbau der alten Häuser wurde wegen nistender Mauersegler unter den Dachziegeln ganze vier Monate verschoben. Für rückkehrende Brutpaare während der Bauphase wurde eigens ein Gerüstturm mit Nistkästen installiert. In den neuen Gebäuden sind integrierte Nistkästen unterm Dach bereits geplant. Bleibt nur zu hoffen, dass die Vögel ihr neues Zuhause mit der unschlagbaren Aussicht auf Eiger, Mönch, Jungfrau und Längenberg genau so schätzen wie die menschlichen Bewohner:innen.