Campo dei Fiori: Die nächste Etappe
Ganze Stockwerke entstehen in wenigen Tagen: Am Zelgweg in Münsingen zeigt sich, wie moderner Holzbau Tempo, Präzision und Nachhaltigkeit verbindet. Wir begleiten den Neubau und werfen einen Blick hinter die Kulissen.




Verzögerte Bauphasen
Vom Bauleitungscontainer aus sieht man den Längenberg. Die Hitze hat die Felder dort in braune Stoppeln verwandelt, als wäre August und nicht Juni. Für die Baustelle ist das sonnige Wetter aber ein Glücksfall. «Die Holzhäuser sollen bis Weihnachten stehen», sagt Benjamin Steiner, der bei SKS Architekten die Bauleitung im März von Felix übernommen hat. «Wenn es jetzt stark regnen würde, müssten die Bauarbeiten solange stillstehen, damit das Holz nicht beschädigt wird.»
Der ausgesprochen nasse und kalte vergangene Winter hat schon den Baumeisterarbeiten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gemeinsam mit dem schlechten Baugrund führte er dazu, dass sich nun zwei Bauphasen überschneiden und Baumeister und Zimmerleute gleichzeitig auf den Kran angewiesen sind. «In solchen Momenten muss man vor allem gut kommunizieren», weiss Benjamin. Dafür gibt es die wöchentlichen Bausitzungen, ausserdem ist er selbst mehrmals pro Woche vor Ort, um die verschiedenen Arbeiten zu koordinieren.


Bauen auf engem Raum
Verdichtung ist das Wort der Stunde in Münsingen. Die alten Gebäude beherbergten dreiunddreissig Wohnungen, die Neuen auf derselben Parzelle achtundsechzig. Die neuen Gebäude dürfen nicht höher gebaut werden, aber breiter. Was für die Gemeinde ein riesiger Gewinn ist, führt auf der Baustelle manchmal zu Platzproblemen. «Der Lagerplatz ist hier enorm beschränkt», sagt Benjamin. «Pro Haus kommen insgesamt über 34 Lastwagen mit 530 fertigen Bauelementen an, das heisst, alles muss genau terminiert sein, damit jeder sein Material irgendwo zwischenlagern kann.» Sogar an eine Testfahrt mit dem Lastwagen wurde wegen der engen Quartierstrassen gedacht, bevor es mit dem Bau losging: «Stell dir vor, wenn am Tag des Baubeginns rauskommen würde: Tja, wir können die Bauelemente gar nicht liefern, weil wir mit dem Lastwagen nicht bis zur Baustelle kommen», erklärt Felix.
Für so vorausschauendes Denken braucht es natürlich einen immensen Erfahrungsschatz. «Und die richtigen Partner, die einem auf der Baustelle auch mal sagen: So wie du das gezeichnet hast, wird es nicht funktionieren», fügt Felix hinzu. «Bei so einem Projekt braucht es alle.»
