Ein Bauprojekt für Generationen

Bauleiter Benjamin Steiner erzählt vom Umbau auf dem Areal des Wohn- und Pflegeheims Grünau in Wabern.

Publiziert am 25. April 2025

Ein Bau aus den Nullerjahren, ein Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert – und ein Bauleiter, der täglich zwischen Vergangenheit und Zukunft vermittelt. Benjamin Steiner steht auf der Baustelle, schaut hoch zu den alten Balken des denkmalgeschützten Hauses und weiss: Hier geht es um weit mehr als Steine und Wände. Es geht darum, aus Bestehendem neue Lebens- und Arbeitsräume zu schaffen. 

Auf dem Gelände des Wohn- und Pflegeheims Grünau in Wabern führen SKS Architekten zwei Gebäude in die Zukunft – mit viel Fachwissen, aber auch mit einem Gespür für die Menschen, die später darin leben und arbeiten. Benjamin sagt: «Das Spannende ist, dass wir hier ganz unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden müssen.» 

Es entstehen Wohnungen mit Dienstleistungen, eine Spitex-Station und eine Kita. Jede dieser Einrichtungen hat nicht nur eigene Anforderungen, sondern bringt auch ganz spezifische Herausforderungen mit sich. 

Wie gelingt ein Umbau, der Alt und Neu verbindet? Was macht dieses Projekt so besonders? Und was macht es für Benjamin Steiner zu einer Herzensangelegenheit? 

Ein Bauprojekt für Generationen
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Bauleitung – eine Arbeit mit vielen Facetten

Benjamin Steiner ist als Bauleiter fast jeden Tag auf der Baustelle unterwegs. «Meine Aufgabe ist es, den Zeitplan, die Qualität der Arbeiten und die Kosten im Auge zu behalten», erklärt er. Das heisst, er arbeitet eng mit den Handwerker:innen und den Fachplaner:innen zusammen, kontrolliert, wie es vorangeht, und findet bei Problemen pragmatische Lösungen. «Auf einer Baustelle gibt es jeden Tag neue Herausforderungen. Man muss flexibel sein und einen guten Draht zu allen Beteiligten haben.» 

Besonders spannend ist für ihn die Vielseitigkeit dieses Projekts. Neben dem Pflegeheim, das im Neubau bereits in Betrieb ist, entstehen hier Alterswohnungen, eine Spitex-Station und eine Kita. «Jede dieser Einrichtungen hat ihre eigenen Bedürfnisse.» Die Kita braucht zum Beispiel tiefere Waschbecken und spezielle Sicherheitseinrichtungen, in den Alterswohnungen muss alles rollstuhlgängig sein, während die Spitex einen klassischen Bürotrakt benötigt. «Gerade diese Vielfalt macht das Projekt so interessant.» 

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Herausforderungen bei Umbauten

Ein Neubau ist oft einfacher zu planen als ein Umbau – vor allem, wenn es sich um Gebäude aus verschiedenen Jahrhunderten handelt. Eine besondere Herausforderung ist das denkmalgeschützte Bauernhaus, in das die Kita einziehen wird: «Hier müssen wir bestimmte Elemente wie alte Rauchfänge oder historische Öfen erhalten. Gleichzeitig muss das Gebäude modernen Ansprüchen gerecht werden.» 

Auch die Wahl der Materialien spielt eine entscheidende Rolle. «Beim Neubau wurde Parkett verlegt, für den Umbau fiel die Wahl hingegen auf Vinyl – es ist pflegeleichter und funktionaler für den Alltag der Nutzer:innen.» 

Eine grosse Erleichterung ist, dass viele der beteiligten Unternehmen bereits beim vorherigen Bauabschnitt mitgewirkt haben. «Der Gipser, der Maler, der Sanitär – sie alle kennen sich. Das erspart uns viel Koordinationsaufwand und hilft dabei, eine durchgängige gestalterische Linie beizubehalten.»

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Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

Auch in Sachen Nachhaltigkeit setzt der Umbau klare Akzente. «Wir optimieren dort, wo es sinnvoll ist. Die Fenster werden, wo nötig, erneuert, um die Energieeffizienz zu erhöhen, aber die bestehende Pellet-Heizungsanlage bleibt.» 

Ein wichtiger Schritt ist die Anpassung des Dachs, um eine Photovoltaikanlage installieren zu können. «Nachhaltigkeit bedeutet, Bestehendes zu erhalten und gleichzeitig vorausschauend zu planen», sagt Benjamin Steiner. Die Photovoltaikanlage wird in Zukunft einen Teil des Energiebedarfs vor Ort decken und langfristig zur Reduktion des CO₂-Ausstosses beitragen. 

Dieser pragmatische Ansatz zeigt, dass es beim nachhaltigen Bauen nicht nur um Hightech geht, sondern vor allem um vorausschauende Entscheidungen im Umgang mit Ressourcen.

Ein Projekt mit Herz

Was Benjamin Steiner am Projekt Grünau besonders schätzt, ist das Zusammenspiel von Architektur und sozialer Verantwortung. «Es geht nicht darum, einfach nur Wohnungen zu bauen. Hier entsteht ein Lebensraum, der den Menschen, die darin leben und arbeiten, wirklich etwas bringt. Das Wohnheim, die Spitex, die Kita – all das sind keine 08/15-Bauten, das erfordert eine besondere Sensibilität.» 

Besonders Freude macht ihm der direkte Kontakt mit den Menschen vor Ort. «Es hilft ungemein, wenn man die Handwerker kennt und direkt mit den Nutzer:innen sprechen kann. Wir haben uns zum Beispiel mit der Spitex zusammengesetzt und kurzfristig Anpassungen vorgenommen, um ihre Arbeitsabläufe zu optimieren. Diese Flexibilität macht für mich gutes Bauen aus.»

Blick in die Zukunft

Die nächsten Monate werden intensiv: Im Mai werden die Räume der Kita übergeben, im Juni folgt die Spitex und im Juli sind die neuen Alterswohnungen bezugsbereit. «Wir befinden uns in einer Phase der rollenden Planung – das heisst, wir klären einige Details während der Bauarbeiten. Das erfordert schnelle Entscheidungen, aber auch eine enge Abstimmung mit allen Beteiligten.» 

Was bleibt, ist die Freude am Bauen – und daran, Lösungen zu finden. «Letztlich ist der Bauleiter ein Problemlöser. Es wird immer Unvorhergesehenes geben, aber genau das macht den Job so spannend.» Mit dieser Einstellung führt Benjamin Steiner das Projekt Grünau Schritt für Schritt zur Fertigstellung. 

Benjamin Steiner
Steckbrief: Benjamin Steiner ist seit Januar 2019 bei SKS Architekten tätig. Er absolvierte eine Lehre als Zimmermann und schloss 2021 die Ausbildung zum Bauleiter ab. Seit 2023 macht er die Weiterbildung zum Techniker Bauplanung. An seinem Beruf begeistert ihn die Vielseitigkeit: «Kein Tag ist wie der andere – und am Ende steht ein konkretes Ergebnis, das man anfassen kann.» Benjamin wohnt mit seiner Partnerin im Liebefeld und interessiert sich für Fussball – sowohl aktiv als auch als Zuschauer im Stadion.