Sanierung Mehrfamilienhaus Moserstrasse: Episode 2

Publiziert am 19. August 2026

Das Wohnhaus an der Ecke Moserstrasse und Jägerweg im Berner Breitenrain fällt auf. Das Türmchen, die auffällige Klinkerfassade und verspielte Malereien geben dem Gebäude ein unbestreitbar romantisches Flair. Vor kurzem ist das Gerüst entfernt worden und nicht wenige Passant:innen drehen fasziniert die Köpfe nach den historischen Malereien, die die Fassade zieren. «Das ist immer der schönste Tag, wenn endlich etwas enthüllt wird, das vorher monatelang eingerüstet war», sagt Kerstin Wälti von SKS Architekten, die das Projekt als Bauleiterin führt.

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Das Gebäude von 1900 wird in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege behutsam und umfassend renoviert. Von Anfang an war klar: Dieser Umbau wird kostenaufwendig. Ist das Projekt einmal angestossen, kann man ausserdem nicht einfach zurück. «Der Bauherr erbte mit diesem Haus auch eine ziemliche Herausforderung», sagt Kerstin. «Für ihn war klar, dass er es fachgerecht sanieren will – aber der immense finanzielle Aufwand, den so ein Verfahren mit sich bringt, ist nicht für jede Privatperson tragbar.» Die genauen Kosten waren selbst für ein erfahrenes Büro wie SKS schwierig einzuschätzen, denn viele Aufwände wurden natürlich erst während der Umbauarbeiten ersichtlich. Dank grosszügiger Reserven und viel Erfahrung bei der Berechnung scheint die Kosteneinschätzung nun aber trotz vieler unvorhergesehener Posten aufzugehen. 
Gemeinsam mit Philipp Schmid, der bei SKS Architekten für die Planung zuständig war, begleitete Kerstin den Prozess von Anfang an eng und behielt auch bei den Diskussionen mit der Denkmalpflege immer eine realistische Umsetzung im Blick. Auch Philipp war es wichtig, den historischen Umbau nicht über jede praktische Entscheidung zu stellen: «Im ganzen Prozess war das Wichtigste, dass es am Ende vermietbar ist und die Massnahmen auch in fünf Jahren noch stimmen.» Der Mietzins für die Wohnungen wird nun höher sein, als es dem Bauherr recht war. Bei dem sichtbar gelungenen Resultat ist Verständnis dafür bei der Mieterschaft aber gesichert. «Während dem Bauprozess kam plötzlich der Bauherr zu mir und sagte, er überlege sich, selbst in die Dachwohnung einzuziehen», verrät Kerstin. «Er wohnt eigentlich in Zürich, ist aber in diesem Haus aufgewachsen. Dass die Bauarbeiten in ihm den Wunsch geweckt haben, selbst hier zu wohnen, ist natürlich ein riesiges Kompliment!» 

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Wiederverwenden statt Neuanfertigen lautet das Mantra des Umbaus: «Es war schnell klar, dass wir die Struktur genau so lassen wollen, wie sie ist», sagt Philipp. «Das Ziel war, das, was da ist, zu erhalten und richtig schön auszubauen. Es muss nicht perfekt sein – das ist ein altes Haus und darf Gebrauchsspuren zeigen. Davon lebt es.» Natürlich gibt es Neuerungen, die auch beim Umbau eines denkmalgeschützten Gebäudes notwendig sind: Die Elektroinstallationen, Sanitäranlagen, Heizung und Kücheneinbauten werden im ganzen Gebäude komplett erneuert. Aber wo immer möglich und sinnvoll wird mit dem Originalmaterial gearbeitet. Über hundertjährige Wandschränke werden instandgesetzt, Radiatoren gespritzt, Türklinken repariert, die originalen Parkettböden geschliffen und geölt; auf der strassenabgewandten Hausseite wurden die Originalfenster ertüchtigt und mit Vakuumgläsern saniert. Die schön gearbeiteten, schmiedeeisernen Geländer im Treppenhaus und auf den Balkonen wurden aufgefrischt und mit zusätzlichen, dezenten Stahlkonstruktionen versehen, um dem herrschenden Sicherheitsstandard zu entsprechen. 

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Die Entscheidung gegen eine aufwendige Ertüchtigung der Böden war schnell gefällt – der Umbau ist kostspielig genug und das Parkett für sein Alter in tadellosem Zustand. «Mieter, die in Bern eine Altbauwohnung mieten, wissen in der Regel, worauf sie sich einlassen und schätzen die besondere Atmosphäre und Ästhetik solcher Gebäude», weiss Philipp. Die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege war insgesamt sehr gut: «Natürlich hat die Denkmalpflege den Grossteil des Umbaus dirigiert – aber wir durften mitreden, wenn es um die Ausgestaltung ging. Wir wollen dem Denkmal entsprechen, ohne den Anspruch ans Zeitgenössische zu verlieren», erklärt Philipp. Wenn er über das Projekt spricht, bekommen seine Augen ein Leuchten, das verrät, dass dies ein echtes Herzensprojekt für ihn ist. «Das ist schon etwas ganz Besonderes», gibt er zu. «So etwas machst du wahrscheinlich nur einmal im Leben.»
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Das Meisterstück der historischen Instandsetzung ist fraglos die Fassade. Unter den später angebrachten Blechen und Farbschichten fanden sich wunderschöne Friesmalereien und Wandbilder. Sie wurden von einer Restauratorin rekonstruiert und sorgfältig erneuert. Die Malereien sind für Philipp eines der persönlichen Highlights: «Die Motive haben eine italienische Anmutung und wir haben uns lange gefragt, wo diese südländischen Einflüsse herkamen. Bis uns die Besitzerin des Nachbarhauses erzählte, dass ihr Grossvater das Haus gebaut habe, der italienischer Herkunft war.» Solche Puzzleteile zu einer Geschichte zusammenzufügen und für alle Menschen sichtbar zu machen, ist ein grosser Reiz eines solchen Projekts. «Für mich sind es genau solche Begegnungen», sagt Kerstin. «Ich bin schon von Passant:innen angesprochen worden und von den zukünftigen Mieter:innen: Die Resonanz ist jedes Mal Dankbarkeit, dass man dem Haus einen so grossen Wert gibt. Solche Rückmeldungen machen all die Mühe wert.» Mühe gibt es natürlich immer wieder bei einem Umbau dieser Art. Ein Teil der Fassade wurde im Laufe der Zeit mit einer sperrenden Farbschicht gestrichen. «Dadurch haben sie die Fassade praktisch zerstört, da die Feuchtigkeit so eingeschlossen wurde», erklärt Kerstin. «Der Sandstein darunter hat unglaublich gelitten und ist flächenweise abgefallen, als er zum Vorschein kam.» Die Instandsetzung und teilweise Erneuerung der Sandsteine nahm statt veranschlagter drei Monate fast ein halbes Jahr in Anspruch und macht einen Grossteil der unvorhergesehenen Kosten aus. Auch das Dach gab Anlass zu vielen Diskussionen. In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege wurde in unzähligen Sitzungen und stratigraphischen Untersuchungen der Originalfarbton der Holzabdeckungen und Bleche im Dachbereich bestimmt. «Ich hätte nie gedacht, dass man über einen Farbton so lange diskutieren kann», lacht Kerstin. Nach monatelanger Auseinandersetzung erstrahlen die Holzarbeiten über den auffälligen Klinkersteinen nun in einem zarten Graugrün, das die Farbe des Sandsteins aufnimmt. 
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Grün, abgeleitet vom markanten Originalton der Fensterläden, ist das farbliche Leitmotiv des Umbaus: Von den Treppenhauswänden bis zu den Badezimmern findet sich die Farbe auf jedem Stock wieder. Den handgefertigten Küchen verleiht ein dunkles Graugrün modernen Charakter, ohne aus dem historischen Kontext zu fallen. Die alten, gemusterten Tapeten der Wohnräume mussten einem sanften Weiß weichen, dessen dezenter Grünstich den Farbton der Fassade aufnimmt. So entsteht ein einheitliches Bild von einem historischen Haus mit zeitloser Ästhetik.
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Die grösste Veränderung erfuhr das Dachgeschoss. Ein moderner Grundriss und ein durchdacht platzierter Dacheinschnitt, um den Kerstin und Philipp gekämpft haben, machen aus dem früheren Estrich eine lichtdurchflutete, moderne Dachwohnung. Trotzdem bleibt auch hier der historische Charakter spürbar: Das aufwendige Gebälk bleibt freigelegt und darf nun stolz seine von der Zeit gezeichnete Struktur zur Schau stellen. Die komplexe Anordnung der Balken, die unnachahmbaren Farbverläufe von fast Schwarz zu goldbraun und die an Hieroglyphen erinnernden Zeichnungen der (inzwischen inaktiven) Holzwürmer erzählen die Geschichte des Hauses auf eine Weise, wie es glatt verputzte Wände nicht vermögen. Philipp ist überzeugt: Die unzähligen Arbeitsstunden und das Herzblut, welches in den aufwendigen Umbau geflossen sind, wird sich nachhaltig lohnen. «All die liebevollen Details sind in jedem Raum spürbar und machen es zu einem richtigen Zuhause.»
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