Sanierung Mehrfamilienhaus Moserstrasse: Episode 2
Das Wohnhaus an der Ecke Moserstrasse und Jägerweg im Berner Breitenrain fällt auf. Das Türmchen, die auffällige Klinkerfassade und verspielte Malereien geben dem Gebäude ein unbestreitbar romantisches Flair. Vor kurzem ist das Gerüst entfernt worden und nicht wenige Passant:innen drehen fasziniert die Köpfe nach den historischen Malereien, die die Fassade zieren. «Das ist immer der schönste Tag, wenn endlich etwas enthüllt wird, das vorher monatelang eingerüstet war», sagt Kerstin Wälti von SKS Architekten, die das Projekt als Bauleiterin führt.


Das Gebäude von 1900 wird in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege behutsam und umfassend renoviert. Von Anfang an war klar: Dieser Umbau wird kostenaufwendig. Ist das Projekt einmal angestossen, kann man ausserdem nicht einfach zurück. «Der Bauherr erbte mit diesem Haus auch eine ziemliche Herausforderung», sagt Kerstin. «Für ihn war klar, dass er es fachgerecht sanieren will – aber der immense finanzielle Aufwand, den so ein Verfahren mit sich bringt, ist nicht für jede Privatperson tragbar.» Die genauen Kosten waren selbst für ein erfahrenes Büro wie SKS schwierig einzuschätzen, denn viele Aufwände wurden natürlich erst während der Umbauarbeiten ersichtlich. Dank grosszügiger Reserven und viel Erfahrung bei der Berechnung scheint die Kosteneinschätzung nun aber trotz vieler unvorhergesehener Posten aufzugehen.
Gemeinsam mit Philipp Schmid, der bei SKS Architekten für die Planung zuständig war, begleitete Kerstin den Prozess von Anfang an eng und behielt auch bei den Diskussionen mit der Denkmalpflege immer eine realistische Umsetzung im Blick. Auch Philipp war es wichtig, den historischen Umbau nicht über jede praktische Entscheidung zu stellen: «Im ganzen Prozess war das Wichtigste, dass es am Ende vermietbar ist und die Massnahmen auch in fünf Jahren noch stimmen.» Der Mietzins für die Wohnungen wird nun höher sein, als es dem Bauherr recht war. Bei dem sichtbar gelungenen Resultat ist Verständnis dafür bei der Mieterschaft aber gesichert. «Während dem Bauprozess kam plötzlich der Bauherr zu mir und sagte, er überlege sich, selbst in die Dachwohnung einzuziehen», verrät Kerstin. «Er wohnt eigentlich in Zürich, ist aber in diesem Haus aufgewachsen. Dass die Bauarbeiten in ihm den Wunsch geweckt haben, selbst hier zu wohnen, ist natürlich ein riesiges Kompliment!»


Wiederverwenden statt Neuanfertigen lautet das Mantra des Umbaus: «Es war schnell klar, dass wir die Struktur genau so lassen wollen, wie sie ist», sagt Philipp. «Das Ziel war, das, was da ist, zu erhalten und richtig schön auszubauen. Es muss nicht perfekt sein – das ist ein altes Haus und darf Gebrauchsspuren zeigen. Davon lebt es.» Natürlich gibt es Neuerungen, die auch beim Umbau eines denkmalgeschützten Gebäudes notwendig sind: Die Elektroinstallationen, Sanitäranlagen, Heizung und Kücheneinbauten werden im ganzen Gebäude komplett erneuert. Aber wo immer möglich und sinnvoll wird mit dem Originalmaterial gearbeitet. Über hundertjährige Wandschränke werden instandgesetzt, Radiatoren gespritzt, Türklinken repariert, die originalen Parkettböden geschliffen und geölt; auf der strassenabgewandten Hausseite wurden die Originalfenster ertüchtigt und mit Vakuumgläsern saniert. Die schön gearbeiteten, schmiedeeisernen Geländer im Treppenhaus und auf den Balkonen wurden aufgefrischt und mit zusätzlichen, dezenten Stahlkonstruktionen versehen, um dem herrschenden Sicherheitsstandard zu entsprechen.









